Teil 1 der Interviewreihe zur Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!”

Teil 1 der Interviewreihe zur Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!”

Sucht ist eine Krankheit, die nicht nur den Erkrankten betrifft. Denn sie wirkt sich ebenso auf Partner, Eltern, Kinder, Freunde und Kollegen aus. Julia Lux, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus, hat mit Susanne Schmidt, Sozialpädagogin in der Suchtfachambulanz Donauwörth, über die Rolle der Angehörigen von Suchtkranken und die neue Inforeihe der Suchtfachambulanz Donauwörth gesprochen.

Frau Schmidt, inwieweit sind auch die Angehörigen von der Suchterkrankung, z.B. Alkoholabhängigkeit, eines Familienmitglieds oder Freundes betroffen?

Susanne Schmidt: Angehörige sind sehr stark belastet, weil das Familienklima massiv unter dem Suchtproblem des Betroffenen leidet, sei es durch Gewalt in der Familie, finanzielle Engpässe, sozialen Rückzug oder Probleme in der Arbeit.  Oft erleben die Angehörigen vor allem aber ein Gefühl der Hilflosigkeit, da sowohl „Gut zureden“ als auch „Schimpfen“ nichts zu bringen scheint.

Wie wichtig ist die Angehörigenarbeit in der Suchttherapie?

Susanne Schmidt:  Sehr wichtig. Angehörige müssen dringend in die Therapie mit einbezogen werden, da sich die Sucht durch ihr Verhalten verstärken und verfestigen kann (sog. “Co-Abhängigkeit).Angehörige übernehmen in diesem Zusammenhang oft auch Verantwortung für Dinge, für die sie nicht verantwortlich sind. Sie können die Entwicklung des Betroffenen hin zur Suchtmittelfreiheit (Abstinenz) durch reflektiertes eigenes Verhalten, Klarheit und Konsequenz durchaus positiv beeinflussen. Außerdem sind Angehörige in hohem Maße mitbelastet und können durch die Suchttherapie Hilfe und Unterstützung erlangen.

Sie bieten aktuell eine Vortragsreihe für Angehörige von Suchtkranken an. Wie läuft die Inforeihe ab und welche Themen stehen dabei im Fokus?

Susanne Schmidt: Die Angehörigeninformationsreihe findet an 4 aufeinanderfolgenden Freitagen im Mai 2022, jeweils von 17:00 bis 18:30 Uhr in unserer Suchtfachambulanz statt. Ziel ist es, drängende Fragen der Angehörigen zu beantworten und Ihnen Hilfestellungen im Umgang mit der Sucht des Familienangehörigen zu geben. Es geht um Themen wie „Was ist Sucht?“, „Warum fühle ich mich als Angehöriger so belastet?“, „Warum kann es zu Rückfällen kommen?“ oder „Wie sorge ich gut für mich selbst, damit ich Abstand zu dem ganzen Problem gewinne?“

Wer kann an der Vortragreihe teilnehmen?

Susanne Schmidt: Teilnehmen können grundsätzlich alle Angehörigen von Suchtkranken. Das sind die Partner, Eltern, Freunde, Kinder und sonstige nahestehenden Personen.

Welche Empfehlungen haben Sie abschließend für Angehörige von Suchtkranken?

Susanne Schmidt: Es ist wichtig, dass nicht nur dem Suchtkranken selbst geholfen wird. Angehörige haben oft die Vorstellung, dass der Betroffene etwas verändern muss, sie selbst aber nichts ändern müssen. Die Sucht kann nur ausreichend und effektiv bearbeitet werden, wenn auch Angehörige mitarbeiten und sich helfen lassen. Sie haben auch das Recht an sich selbst zu denken und sich diesbezüglich Entlastung zu verschaffen und Hilfe zu erhalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Eine Anmeldung für die Informationsreihe ist bei der Suchtfachambulanz Donauwörth unter 0906 70595670 oder unter suchtfachambulanz.donauwoerth@caritas-augsburg.de möglich.

Die Suchtfachambulanzen Donauwörth und Nördlingen bieten vertrauliche persönliche Gespräche, kostenfreie Beratung und ambulante Therapie durch geschultes Fachpersonal.
Suchtfachambulanz Donauwörth
Caritasverband für die Diözese Augsburg e.V.
Zehenthof 2, 86609 Donauwörth
Tel.: 0906 705956-70
E-Mail: suchtfachambulanz.donauwoerth@caritas-augsburg.de
Suchtfachambulanz Nördlingen
Diakonie Donau-Ries gGmbH
Würzburger Str. 13, 86720 Nördlingen
Tel.: 09081 29070-30
E-Mail: suchtfachambulanz@diakonie-donauries.de