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Artikelreihe: Alzheimer und Demenz verstehen

Alzheimer Artikelreihe Gesundheitsregionplus Donauries

Alzheimer und Demenz verstehen

#1 – Was genau steckt hinter diesen Volkskrankheiten:

Wann war noch gleich der Termin beim Arzt?
Wie heißt noch mal der Mann beim Bäcker?
Und wo sind überhaupt die Autoschlüssel?

Solche oder ähnliche Situationen kennen wir alle. Doch das allein ist noch lange kein Grund zur Besorgnis. Kommt es hingegen vermehrt zu Schwächen des Kurzzeitgedächtnisses, Orientierungsproblemen oder gar zu Persönlichkeitsveränderungen, könnte es sich um eine Form der Demenz handeln.

Doch was heißt das eigentlich genau?

DEFINITION

Die Demenz ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen. Diese entstehen durch eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns (primäre Demenz) oder als Folge einer bereits vorhandenen Grunderkrankung (sekundäre Demenz).
Dabei kommt es zum Abbau von kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und eines der verbreitetsten Symptome ist die Gedächtnisstörung. Zunächst betrifft dies vorrangig
das Kurzzeitgedächtnis, später kann es allerdings auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigen.

Alzheimer ist mit etwa 60% die häufigste Form der Demenz. Ursache für die Erkrankung ist ein Abbau der Nervenzellen im Gehirn, dieser entsteht durch einen gestörten Stoffwechsel
der Zellen, verursacht durch bestimmte Eiweißablagerungen.

Durch den schleichenden Prozess sind erste Anzeichen kaum zu erkennen, da sie sich von alltäglichen Vergesslichkeiten kaum unterscheiden lassen. Im zunehmenden Prozess fehlen
den Patienten dann immer häufiger Namen und Begriffe. Später können bekannte Wege nicht mehr selbstständig beschritten werden und schließlich folgt der Verlust von einfachsten
Fähigkeiten, beispielsweise das Essen mit Messer und Gabel.

HÄUFIGKEIT

Aktuell leiden etwa 46,8 Millionen Menschen weltweit, darunter 1,2 Millionen in Deutschland, unter Demenz Erkrankungen. Davon sind ⅔ von Alzheimer betroffen.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko daran zu erkranken erheblich, derzeitig leidet bereits jeder Dritte zwischen 80 und 90 unter einer Demenz.
Da die allgemeine Lebenserwartung ansteigt, nimmt auch die Zahl der Neuerkrankungen stetig zu. Man rechnet damit, dass die Zahl der Betroffenen in Deutschland bis 2030 auf
2,5 Millionen ansteigen wird. Da Frauen durchschnittlich etwas länger leben als Männer und die Krankheit im Alter deutlich zunimmt, sind fast 70% weiblich.

Aktuelle Studien zeigen, dass Alzheimer Erkrankungen in bestimmten Familien gehäuft auftreten. Genetische Faktoren spielen folglich eine Rolle was allerdings nicht heißt, dass
automatisch jeder daran erkrankt, bei dem in der Verwandtschaft Fälle von Alzheimer aufgetreten sind. Es sollte lediglich zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für Symptome der Erkrankung führen, damit Neuerkrankungen möglichst frühzeitig diagnostiziert werden. Dies ist sehr entscheidend für die Therapie.

Demenz, und dementsprechend auch Alzheimer, sind zwar nicht heilbar, aber behandelbar!
Ein aktives Leben im Alter, sowohl physisch als auch kognitiv, ist durchaus förderlich für die Vermeidung von Demenz.

 

#2 – Wie äußert sich die Krankheit, was passiert mit den Betroffenen und wie schränkt es den Alltag ein?

Nun haben wir Ihnen bereits einiges über die Entstehung und die Ursachen von Demenz und Alzheimer erläutert.
Nachfolgend geht es verstärkt um die Symptome, die Entwicklung und die vermehrten Einschränkungen, von denen die Patienten betroffen sind.

 

Leichte Demenz

Im Anfangsstadium der Krankheit ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Termine oder Namen werden vergessen, wodurch peinliche Situationen entstehen können.
Ein Zustand, den der Betroffene bewusst mitbekommt. Darauf reagieren die Menschen zum Teil sehr unterschiedlich. Manche werden aggressiv und projizieren ihren Ärger auf ihr Gegenüber. Andere wiederum ziehen sich zunehmend zurück und versuchen diese Situationen dadurch zu vermeiden. Sie sind häufig verunsichert durch die spürbaren Veränderungen und versuchen, so lange wie möglich die Defizite zu verbergen.

Wird die Erkrankung bereits in diesem frühen Stadium diagnostiziert, ist es wichtig die Patienten aktiv mit in die Behandlung und Entscheidungen einzubinden. Bei komplexeren Aufgaben, beispielsweise der Kontoführung, brauchen sie eventuell Hilfe. In anderen Bereichen sind sie jedoch noch vollkommen selbstständig und sollten keinesfalls entmündigt werden.


Mittelschwere Demenz

Mit der Zeit verstärken sich alle bereits vorhandenen Symptome, die Orientierung ist kaum noch vorhanden und das Gedächtnis leidet zunehmend. So sind es nicht mehr die kleinen Vergesslichkeiten, die auffallen, sondern auch Bereiche des Langzeitgedächtnisses sind betroffen. Namen der eigenen Kinder, der erlernte Beruf oder das eigene Alter sind nicht mehr präsent. Selbst nahe Verwandte oder Ehepartner werden teilweise nicht mehr erkannt. Außerdem wird die Bewältigung des Alltages immer schwieriger und ist in diesem Stadium meist nicht mehr ohne Hilfe zu leisten. Den Haushalt machen, Einkäufe erledigen und selbst die eigene Hygiene sind nicht mehr selbstständig möglich. Ebenso ist die Sprachleistung herabgesetzt und Patienten antworten vermehrt in Floskeln, weil es ihnen schwer fällt dem Gespräch zu folgen.

Ein weiteres Symptom sind Persönlichkeitsveränderungen oder Wahnvorstellungen. Menschen, die sonst gutmütig und fröhlich sind, werden plötzlich verbal und physisch aggressiv gegenüber anderen. Solche Entwicklungen sind besonders für die Angehörigen schwierig zu verarbeiten. Der Betroffene selbst hat das Bewusstsein für seine Erkrankung verloren. Doch die Angehörigen müssen lernen mit den Wesensveränderungen umzugehen und viel Geduld aufzubringen. Im Übergang zum schweren Stadium der Demenz gilt es, besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Plötzlich und völlig unerwartet kann ein Betroffener beispielsweise das Haus verlassen und umher laufen. Durch das mangelnde Orientierungsvermögen findet er nicht wieder zurück und wird eventuell nur durch Einsatz von Hilfskräften aufgefunden und zurück gebracht. Das ist nicht nur ein Schock-Erlebnis für die Angehörigen, sondern auch gefährlich für den Patient und weitere Verkehrsteilnehmer. In diesem Fall ist es leider notwendig, den Betroffenen vor solchen Ausbrüchen in entsprechender Form zu schützen.


Schwere Demenz

In diesem Stadium ist die willkürliche Kontrolle über den eigenen Körper deutlich reduziert. Verbale Kommunikation, selbstständige Mobilität sowie die Stuhl- und Harnkontrolle sind teilweise gar nicht mehr möglich. Die Patienten werden fortschreitend bettlägerig und leiden unter Folgen, zu denen Gelenkversteifungen und zunehmende Infekte zählen. Letztlich ist auch nicht die Demenz, bzw. Alzheimer selbst die Todesursache. Die häufigste Ursache sind Infektionskrankheiten.

Die Demenz ist eine sehr komplexe Erkrankung. Symptome treten bei Betroffenen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Intensität auf, oder bleiben teilweise auch völlig aus. Deshalb ist eine exakte Abgrenzung zwischen den Stadien nicht möglich.

 

#3 – Früherkennung und Therapie – was Sie bei der Diagnose Alzheimer tun können!

Nach Entstehung und Verlauf der Krankheit kommen wir nun zu einem wichtigen Punkt: Was können Sie tun?
Sie wissen bereits, dass Demenz und Alzheimer nicht heilbar sind, allerdings haben Sie trotzdem Möglichkeiten zu handeln.

MEDIKAMENTE:

Medikamente können die Erkrankung weder heilen, noch stoppen. Sie ermöglichen jedoch, einige Symptome zu dämpfen und die Progredienz zu verlangsamen. Dadurch behält der Betroffene eine gewisse Selbstständigkeit. Das ist nicht nur für den Patienten selbst wertvoll, sondern auch für die Angehörigen oder das Pflegepersonal. Ob und welche Medikamente im Einzelfall angebracht sind, entscheidet der behandelnde Arzt.

ALLGEMEINER UMGANG:

Mit fortschreitenden Symptomen ist es für die Angehörigen und alle Beteiligten schwierig, mit den Betroffenen umzugehen. Geduld und Verständnis für die Krankheit stehen dabei im Vordergrund. Die Patienten sind sich ihrer Äußerungen und Handlungen nicht mehr bewusst. Trotzdem fühlen sich umstehende Menschen häufig genervt oder verletzt.
Die Validationsmethode nach Feil hat sich als erfolgreich erwiesen. Dabei vermeidet man permanente Korrektur der Betroffenen. Stattdessen nimmt man die Realität des Patienten an und akzeptiert die Gültigkeit seiner Aussagen oder Handlungen. Seine Gefühle und Verhaltensweisen werden wertgeschätzt und nicht kritisiert.

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist der Erhalt der eigenen Fähigkeiten, sowohl physisch, als auch kognitiv. Training in beiden Bereichen hilft, so lange wie möglich den Zustand des Betroffenen zu erhalten. Dazu zählt zum Beispiel Ergo- oder Physiotherapie. Keinesfalls effektiv ist der Versuch, den Patienten zurück zu bestimmen Fähigkeiten zu bringen. Dinge wieder zu erlernen oder Erinnerungen wieder hervorzurufen ist nicht möglich.
Fragen wie “Weißt du nicht mehr?” werden den Patienten nur zusätzlich verunsichern oder aufregen.

HILFE FÜR ANGEHÖRIGE:

Die Belastung der Erkrankung ist für Angehörige enorm. Deshalb ist es wichtig Hilfe zu suchen und anzunehmen. Dazu gibt es Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Im weiteren Verlauf sollte man auch die Möglichkeit von Ambulanter oder Tagespflege, sowie im Endstadium der Unterbringung im Heim offen gegenüber stehen. Aufmerksam sein ohne Panik zu bekommen.
Auch wenn Wachsamkeit sehr wichtig ist, gilt es trotzdem Ruhe zu bewahren. Nicht jede kleine „Schusseligkeit“ ist gleich ein Anzeichen für Alzheimer. Nicht jede Vergesslichkeit ist sofort alarmierend.

Um aber eventuelle Anzeichen frühzeitig zu erkennen, haben wir Ihnen ein paar Warnzeichen zusammengestellt. Lernen Sie, den Unterschied zu sehen:

  1. Ab und an mal einen Termin zu verschwitzen, kommt bei uns allen mal vor. Kommt es aber auffällig oft vor, sollten Sie hellhörig werden.
  2. Den Topf auf dem Herd vergessen kann in der Hektik des Tages schon mal passieren. Vergessen Sie jedoch überhaupt gekocht zu haben, sollten Sie wachsam sein.
  3. Finden wir in fremden Gegenden mal nicht gleich den direkten Weg zurück zum Auto, ist das kein Problem. Finden Sie sich aber nicht mehr in der eigenen Straße zurecht, ist das ein Warnzeichen.
  4. Wenn wir an manchen Tagen viel zu warm angezogen sind, weil wir das Wetter falsch eingeschätzt haben, ist das nicht weiter schlimm. Wenn Sie sich jedoch völlig unpassend kleiden und im Abendkleid einkaufen gehen, dann muss das ernst genommen werden.
  5. Das wir nicht immer wissen, wo wir den Schlüssel hingelegt haben, kann schon mal vorkommen. Wenn Sie jedoch regelmäßig den Schlüssel in der Wäscheschubladewiederfinden, oder das Portemonnaie im Kühlschrank lagern, ist das ein Symptom.

Dies sind nur einige Beispiele, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Sollten Sie bei sich oder anderen den Verdacht auf Anzeichen für Demenz haben, suchen Sie zeitnah einen Arzt auf.

Hilfe suchen statt Verleumdung!

 

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